Camouflage
02. August 2009 16:05, geschrieben von wwwalker, Kategorien [ Besonderheiten ][ (0) Kommentare ] | [ (0) Trackbacks ]
Die Deutschen haben im Ausland erfreulicherweise einen fuer uns unerwartet guten Ruf. Mallorca mal ausgenommen. Die vermeintlichen deutschen Tugenden wie Puenktlichkeit, Zuverlaessigkeit, Qualitaet, Bier und Autobahn werden anerkennend erwaehnt und heftig benickt. Ausserdem scheinen die deutschen Reisenden besonders aufgeschlossen zu sein, zurueckhaltend und recht angenehme Gaeste, verglichen mit der ein oder anderen Nation. Prima, mit diesen Vorschusslorbeeren koennen wir leben! Ausserdem sind die Deutschen dafuer bekannt und geliebt, dass sie die Taschen voller Geld haben, sich immer und ueberall engagieren und helfen wo es nur geht, und schlecht bis gar nicht verhandeln. Das wiederum fuehrt fuer deutsche Reisende mit engem Budget (also uns) zu verschiedenen Schwierigkeiten. Da wir mittlerweile allerdings auch den Ruf anderer Nationen im Ausland kennen, koennen wir diese mit einer kleinen Maskerade oft umschiffen. Beispiele gefaellig?
Auf dem Annapurna Trek in Nepal streunen viele Gestalten umher, die fuer irgendetwas Geld wollen. Sei es der eben gegruendete Jugendclub, die Ausbildung oder die kranke Oma. Wuerde man jedem etwas geben, waere der Trek nach zwei Tagen zwangsweise beendet. Antwortet man auf die harmlose Frage `Where are you from` mit `Germany`, hat man echt grosse Schwierigkeiten, diese Menschen wieder loszuwerden. Man wird regelrecht verfolgt, manchmal sogar bedroht (`Ihr seid nur zu zweit, wir zu fuenft!`). Macht man sich dagegen den Ruf der Israelis zunutze, die dafuer bekannt sind, besonders sparsam mit ihrem Geld umzugehen und sich gegen unnoetige Ausgaben dieser Art auch mit koerperlicher Gewalt zu wehren, schaut grimmig und sagt `From Israel!` kann man, Hokuspokus, seinen Weg trotz zahlenmaessiger Unterlegenheit in Ruhe fortsetzen. Erstaunlich!
Interessant ist auch die Moeglichkeit, die penetranten Drogenverkaeufer Suedostasiens durch die Blitzkonvertion zu einer anderen Religion abzuschuetteln. Entgegnet man der wiederholten Anpreisung des illegalen Angebots zum Beispiel `Ich bin Muslim und darf nicht rauchen, sonst komme ich in die Hoelle` (ich moechte unsere muslimischen Brueder darauf hinweisen, dass ich nicht garantieren kann, dass das mit dem Koran im Einklang steht), laecheln die Verkaeufer (wissend?) und lassen einen in Ruhe.
Bei anderer Gelegenheit ist die Liebe zu Dialekten recht hilfreich. Im Gespraech mit spanischen Reisenden haben wir festgestellt, dass Spanier, dank ihres oft starken Akzents schnell zu erkennen, deutlich bessere Angebote fuer Hotels und Waren erhalten als die Deutschen, so dass man als Deutscher bei Verhandlungen oft von einer hoeheren Ausgangsbasis auszugehen hat. Schlecht! Da die Satzmelodie meines rudimentaeren Spanisch immer etwas italienisch, also nach Argentinier klingt, habe ich diese ueber mein Englisch gelegt und behaupte in Hotels oder bei Mopedvermietungen seither mit stolzem Gesichtsausdruck `I`m from Argentina!`. Wunder ueber Wunder, seither bekommen auch wir die guenstigeren Angebote! Zudem faellt mir das Verhandeln als Argentinier einfach leichter als als Deutscher.




